Sechs Erdbeben wegen Gasförderung seit Ende 2015

“Seit 2005 wurden 16 Beben mit Lokalmagnituden von 0,5 bis 3,1 registriert, die allesamt der Erdgasproduktion aus dem Erdgasfeld Völkersen zuzuordnen sind” schreibt die Landesregierung in ihrer Antwort auf eine schriftliche Anfrage, die ich Mitte November nach Bekanntwerden eines weiteren Erbebens im Flecken Langwedel formuliert hatte. erdgasfoerderungAllein seit Anfang Dezember 2015 wurden von den Fachstellen sechs Erdbeben nahe Völkersen verzeichnet, so dass eine Häufung der Erdstöße in unserer Region klar belegt ist. Die eindeutige Zuordnung der Erdbeben als Folge der Erdgasförderung in Völkersen bewerte ich positiv: Es ist gut, dass die Zusammenhänge klar benannt werden! Kritischer sehe ich dagegen die Antwort auf meine zweite Frage, mit der ich erfahren wollte, wie die rot/grüne Landesregierung angesichts der Häufung der Erdstöße etwaige Absichten des Förderunternehmens bewertet, neue Erdgasbohrungen im Bereich Völkersen und Umgebung zu realisieren. Hier führt das zuständige SPD-geführte Wirtschafts-Ministerium zum Genehmigungsverfahren zunächst aus, dass “entsprechend der neuen Vorgaben die Förderunternehmen künftig verpflichtet seien, in Gebieten der Erdbebenzonen 1 bis 3 (DIN EN 1998 Teil 1) ein seismologisches Basisgutachten erstellen zu lassen, Maßnahmen für einen kontrollierten Betrieb zu ergreifen und den Betrieb regelmäßig nach dem Stand der Technik zu überwachen”, um dann festzustellen, dass es in Niedersachsen entsprechende Erdebenzonen gar nicht gebe. Zwar sollten “die zuständigen Bergbehörden diese Maßnahmen, soweit erforderlich, auch bei Tätigkeiten in anderen Gebieten verlangen”, gerade die Einschränkung “soweit erforderlich” für eine ohnehin weiche Sollvorschrift stellt mich aber nicht zufrieden: “Ich hoffe, dass das LBEG angesichts der Häufung der Erdstöße bei uns im Flecken Langwedel bei möglichen Neuanträgen eine enge Elle anlegt. Der Schutz von Menschen und Sachwerten muss Vorrang haben” habe ich meine Position in einer aktuellen Pressemitteilung formuliert.

Interessante Gespräche zur Erdgaspolitik mit Umweltpolitikern und BI’s

Besuch bei DIS-TEC: Mit Vertretern der aktiven BI's und meinen Fraktionsfreunden Martin Bäumer (3. v.l.) und Hans-Joachim Deneke-Jöhrens (rechts) haben wir Marco Sündermann (5. v. l.) getroffen

Besuch bei DIS-TEC: Mit Vertretern der aktiven BI's und meinen Fraktionsfreunden Martin Bäumer (2. v.l.) und Hans-Joachim Deneke-Jöhrens (rechts vorne) haben wir in Langwedel Marco Sündermann (4. v. l.) getroffen

Am Montag, 1. Juni, kommen Mitglieder des Landtagsausschusses für Umwelt und des Landtags-Wirtschaftsausschusses aus Hannover nach Grasdorf im Kreis Verden, um sich an der dortigen Bohrstelle direkt über Erdgasförderung von Vertretern der DEA AG informieren zu lassen.
Zur Vorbereitung auf diesen Ausschusstermin hatte ich am gestrigen Mittwoch die CDU-Umweltausschussmitglieder Martin Bäumer und Dr. Hans-Joachim Deneke-Jöhrens mit Vertretern örtlicher Bürgerinitiativen aus Völkersen, Intschede und Langwedel zusammen gebracht. Wir hatten einen interessanten Nachmittag!
Auf dem rund dreistündigen Programm stand zu zunächst ein Besuch der Firma DIS-TEC in Langwedel, wo Geschäftsführer Marco Sündermann uns Gebäudeschäden zeigte, die im Zusammenhang mit dem Erdbeben im November 2012 entstanden waren. Im Rahmen des Besuchs wurde auch die Arbeit der neuen “Schlichtungsstelle Bergschaden Niedersachsen” angesprochen. Anschließend besuchten wir dann den Außenbereich der Bohrstelle in Grasberg, wo uns Vertreterinnen der BI’s über mögliche Gesundheitsschäden durch Abfackeln und Förderabgase berichteten.
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Lagerstättenwasser: Abzweig von Gasbohrung in 5.000 Metern Tiefe macht es nicht viel besser

Im Landtag: Adrian Mohr, dahinter auf der Regierungsbank Minister Olaf Lies (SPD)

Im Landtag: Adrian Mohr MdL ; auf der Regierungsbank Minister Olaf Lies (SPD)

“Pläne zur Verpressung von Lagerstättenwasser in ausgeförderten Gasbohrstellen, die früher mit Fracking behandelt wurden, sind der Landesregierung nicht bekannt”. Diese Antwort des Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr (MW) vom 4. Februar 2015 auf meine Kleine Anfrage irritierte mich doch etwas, so dass ich Mitte Februar mit einem Brief an Minister Olaf Lies (SPD) nochmal nachgehakt habe. Hintergrund meiner Fragen: RWE-DEA hat im Dezember 2014 beim Land beantragt, belastetes Lagerstättenwasser in über 5.000 Metern Tiefe durch die frühere Bohrstelle “Völkersen Nord Z3” einzubringen. Dieser auf mich widersprüchlich wirkende Sachverhalt veranlasste mich - nach Austausch mit örtlichen Bürgerinitiativen - im MW bei Olaf Lies nachzuhaken.
In dieser Woche hat mir der Wirtschaftsminister nun geantwortet. Der Minister erläutert darin die Pläne der antragstellenden RWE-DEA AG, wonach zunächst ein 500 Meter hoher Zementdeckel den hydraulisch erzeugten Riss (Frackingstelle) im Gestein abdichten soll (in und 5.000 Metern Tiefe). Weiter heißt es in dem Schreiben: „Oberhalb der Zementbrücke wird die Bohrung anschließend in Richtung einer anderen Gesteinsformation in rund 5300 Meter abgelenkt“, so Lies weiter. Das Lagerstättenwasser soll also nicht direkt in die frühere Fracking-Bohrstelle eingebracht werden, sondern abgegrenzt in deren Nähe. Die Zuwegung über den Bohrschacht ist allerdings die gleiche. Gegen einen Übertritt des Lagestättenwassers spricht laut Wirtschaftsministerium neben der Zementabdichtung auch der erhebliche Druckunterschied in den Gesteinsformationen (bis zu 30 Bar). Die Prüfung dieser vorläufigen Einschätzung des Ministeriums und des Antrags der RWE-DEA sind Gegenstand des derzeitigen Genehmigungsverfahrens beim LBEG und im MW.
Die ergänzende Antwort des Ministers hat mir geholfen, den Sachverhalt klarer zu sehen. Diese briefliche Ergänzung des MW ändert allerdings nichts an meiner grundsätzlichen Auffassung, wonach man künftig Lagerstättenabwasser wie andere Industrieabwässer auch oberirdisch reinigen und entsorgen muss! In diese Richtung sollte der Bundesgesetzgeber seinen aktuellen Gesetzesentwurf nachbessern. Dafür ist auch ein Stufenplan denkbar. Das klare Ziel der oberirdischen Entsorgung muss aber festgeschrieben werden. Unser hiesiger MdB Andreas Mattfeldt ist in dieser Frage in Berlin einer der führenden Kritiker der aktuellen Gesetzesvorlage der beiden SPD-geführten Bundesministerien - seinen Kurs unterstütze ich voll und ganz!

Kommt Lagerstättenwasserverpressung in früherer Frackingbohrstelle „Völkersen Nord Z3"?

erdgasfoerderungZur in der Nähe von Völkersen geplanten Verpressung von Lagerstättenabwasser hebe ich kurz Weihnachten 2014 eine schriftliche Anfrage an die Landesregierung gestellt. Kernpunkt meiner Kleinen Anfrage war die Frage, wie die Landesregierung “eine mögliche Verpressung belasteter Lagerstättenabwässer in ehemaligen Bohrstellen, die durch früheres Fracking geologisch verändert wurden” bewertet.
Jetzt habe ich die schriftliche Antwort des Niedersächsischen Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr erhalten. Mit dieser Antwort kann ich allerdings mit Blick auf meine Kernfrage noch nicht so recht was anfangen: In der Antwort wird nämlich ausgeführt, dass der Landesregierung “keine Planungen bekannt” seien, wonach Lagerstättenwasser in einer früher “gefrackten” ehemaligen Erdgasbohrung versenkt werden soll. Dabei wurde die Bohrung “Völkersen Nord Z3” ausweislich öffentlich zugänglicher Quellen am 12.10.2006 hydraulisch behandelt, also gefrackt. Und jetzt liegt dem Land ein Antrag der RWE Dea vom 23.12.2014 vor, wonach in eben dieser früheren Bohrstelle “Völkersen Nord Z3” künftig in gut 5.000 Metern Tiefe Lagerstättenwasser eingebracht werden soll. So habe ich das bislang jedenfalls verstanden.
Ich habe jetzt im Nachgang der Antwort auf meine kleine anfrage einen Brief an Minister Olaf Lies geschrieben und ihn freundlich gebeten, die Irritationen, die sich für mich aus der Antwort ergeben, aufzuklären. Ich möchte da als Abgeordneter, vor allem für die Menschen in der Region, eine schlüssige und klare Antwort der Landesregierung haben.

Anfrage zur Verpressung von Lagerstättenabwasser

erdgasfoerderungDie RWE Dea plant nach verschiedenen Presseberichten (u. a. Kreiszeitung / Verdener Aller-Zeitung,  08.11.2013, sowie Weser-Kurier / Verdener Nachrichten vom 05.12.2014 und vom 24.12.2014) künftig Lagerstättenabwasser aus der Erdgasförderung in der ausgeförderten Bohrung "Völkersen Nord Z3" in rund 5.000 Metern Tiefe zu verpressen. Hierfür ist eine landesbehördliche Zulassung auf Grundlage des BBergG erforderlich. Nach Angaben einer Studie des Umweltbundesamtes 2014 wurden bislang ausgediente Erdgasförderstellen, in denen zu Zeiten der Förderung gefrackt wurde, nicht für Versenkbohrungen genutzt. Laut Angaben des LBEG wurde in der Erdgasbohrung Völkersen Z3 ein Frackvorgang im Oktober 2006 vorgenommen. Auf diesen Punkt hat mich die Gemeinschaft der hiesigen Bürgerinitiativen in einem interessanten Positionspapier zum Verpressantrag hingewiesen. In diesem Zusammenhang habe ich folgende Fragen schriftlich an die Landesregierung gestellt: - Wie beurteilt die Landesregierung grundsätzlich die Verpressung belasteter Lagerstättenabwässer in Versenkbohrungen früherer Erdgasförderbohrungen in Niedersachsen? - Wie bewertet die Landesregierung eine mögliche Verpressung belasteter Lagerstättenabwässer in Versenkbohrungen, die durch früheres Fracking geologisch verändert wurden? - Wie sieht die Landesregierung die Versenkung von belasteten Lagerstättenabwässern in Bohrstellen in Naturschutz-, Wasserschutz- und Trinkwassergewinnungsgebieten bzw. in unmittelbarer Nähe solcher Schutzgebiete?