Verdener Gespräch der VAZ zum neuen Schulgesetz

In der "Verdener-Aller-Zeitung" vom 27. November habe ich das "Verdener Gespräch" als Namensbeitrag geschrieben:
Ein Plakat der Schülerdemo in Verden im November 2013

Ein Plakat der Schülerdemo in Verden im November 2013

In seiner ersten Regierungserklärung als Ministerpräsident redete Stephan Weil Anfang 2013 davon, dass er Schluss machen wolle mit dem seit Jahrzehnten dauernden Streit um Schulstrukturen. Das widersprach zwar dem Programm von SPD und Grünen, aber einen Erkenntnisgewinn darf man ja nie ausschließen. Ich fände es wichtig und richtig, dass man Schule in der gefundenen Struktur mal ein paar Jahre in Ruhe arbeiten lässt und nicht ständig zu Lasten der Schülerinnen und Schüler umbaut! Diese Erkenntnis hat sich in Hannover leider nicht durchgesetzt. Der kürzlich vorgelegte Entwurf eines neuen Schulgesetzes geht in die andere Richtung: Die Abschaffung der Schullaufbahnempfehlung zum Ende der Grundschulzeit, der Einstieg in die Abschaffung sämtlicher Noten in der Grundschule sowie die Aufwertung der Integrierten Gesamtschulen insbesondere gegen Gymnasien und Oberschulen wird in Niedersachsen steinalte Strukturdebatten befeuern. Der ideologisch motivierte Kampf um das “richtige Schild” vor der Schule ist in vollem Gange. Vieles davon ist so neu und zukunftsgewandt wie schwarzweiß-Fernsehen. Der Verband der Elternräte an Gymnasien spricht von einer “aufgebrachten Stimmung, die sich durch den Schulgesetzentwurf weiter zuspitzen wird” und warnt, dass die Gymnasial-Eltern weiteren “leeren Lippenbekenntnissen der Landesregierung nicht tatenlosen zusehen” werden. Auch der Philologenverband fürchtet einen starken Qualitätsverlust durch die Schwächung der Gymnasien. Dass zum Halbjahreswechsel 2014/2015 für den gesamten Zuständigkeitsbereich der Schulbehörde Lüneburg nur zehn neue Lehrerstellen für Gymnasien ausgeschrieben werden, untermauert die Schlechterstellung der Gymnasien. Allein am Cato-Gymnasium in Achim gehen sechs Lehrer in Pension. Die Unterrichtsversorgung an unseren Gymnasien wird weiter sinken. GaW und DoG sind laut letzter Statistik bereits unter dem Landesschnitt. Kürzlich hat die Kultusministerin entschieden, den Termin für die statistische Erhebung der Unterrichtsversorgung für das zweite Schulhalbjahr abzuschaffen. Was ich nicht seh, tut auch nicht weh!? Das neue Schulgesetz besiegelt das Ende der Förderschulen Lernen und Sprache. Ich halte das für einen Fehler. Zum einen, weil es das Wahlrecht der Eltern massiv einschränkt. Zum zweiten, weil die Förderung durch Sonderpädagogen an den übrigen Schulen nicht ausreichend ist. Sowohl für die Kinder und deren Eltern, aber auch für die Schulen und nicht zuletzt für die Förderschullehrer, die täglich als Stundenkräfte in Sachen Sonderpädagogik durch den Landkreis touren müssen, ist das eine Zumutung! Inklusion ist ein wichtiges Recht. Daraus einen Zwang zu machen, ist Ideologie.  Letzten Donnerstag habe ich den kompletten Vormittag in der Grundschule Westen verbracht. Drei Schulstunden (Mathe, Deutsch und Werken) und eine Pausenaufsicht durfte ich mitmachen. Zum Abschluss habe ich mit der Schulleiterin und vier Lehrerinnen ausgiebig über den Vormittag, die Lage der GS Westen und über Bildungspolitik für Grundschulen gesprochen. Ein interessanter Tag! Insbesondere die Anforderungen der Inklusion beschäftigen auch die Lehrkräfte in Westen. Die zugebilligten zwei Förderstunden je Woche für ein inklusiv beschultes Kind sind zu wenig - und werden nicht mal erfüllt, weil Fachkräfte fehlen. Die Lehrerinnen müssen das in der Klasse allein ausbaden. Wenn das Inklusion ist, dann geht das gegen die Wand! Das kann nicht im Sinne der Kinder, der Eltern, der Schulen sein. Und damit auch nicht im Sinne des Landes und der Politik. Das hat mir mein fünfstündiger Besuch an der Grundschule einmal mehr gezeigt. Auf diese konkreten Probleme gibt das neue Schulgesetz keine Antworten. Dafür können wir weiter fein über Schulstrukturen und Türschilder diskutieren und so den Anschluss an andere Länder verlieren!

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