Wolfspopulation begrenzen – Artenvielfalt und offene Kulturlandschaft sichern

Eines Vorweg: Die Rückkehr des Wolfes nach Niedersachsen ist ein Erfolg für den Artenschutz! Allerdings führt das Nebeneinander von Mensch und Wolf sowie die zunehmenden Angriffe von Wölfen auf Weidetiere zu Problemen in unserer dicht besiedelten Kulturlandschaft. Mit den zunehmenden Übergriffen auch auf ausgewachsene Rinder ist eine neue Stufe erreicht. Wolfssichere Einzäunungen sind besonders in unseren Grünlandregionen und Deichzonen kaum möglich und insgesamt finanziell auchvöllig unverhältnismäßig. Und kilometerlange wolfssichere Zäune werden zudem auch die Lebens- und Bewegungsräume unseres heimischen Wildes einschränken. Die Artenvielfalt würde dadurch bedroht! Die Populationsentwicklung des Wolfes darf deshalb auch aus Tierschutzgründen nicht dazu führen, dass Weidetiere zukünftig vermehrt in Ställen gehalten und Wildtiere von ihren natürlichen Nahrungsflächen ausgesperrt werden. Außerdem unterstütze ich die klare Forderung der CDU-Landtagsfraktion, dass der Umgang mit verhaltensauffälligen Wölfen klar geregelt werden muss. Ausgehend von aktuell rund 80 Wölfen wird sich die Wolfspopulation in Niedersachsen mit einer von Experten prognostizierten Steigerungsrate von rund 30 % pro Jahr ausdehnen. Damit einhergehend werden Weidetierrisse besonders in Grünland- und Deichregionen erheblich zunehmen. Eine Regulierung der Wolfspopulation ist daher für uns im ländlichen Raum unausweichlich. Ich finde, damit sollten wir uns rechtzeitig und sachlich-ruhig befassen. Es geht um Abwägungsentscheidungen für die Artenvielfalt und für unsere offene Kulturlandschaft auch im Landkreis Verden.  

2 Kommentare

  • Vielen Dank für Ihren Kommentar, sehr geehrter Herr Schwankl!

    Ein Hinweis zu Ihrem Verdacht, meine Argumente würden aus vordergründigem persönlichen Interesse formuliert: Das ist nicht so. Ich bin weder Jäger noch Weidetierhalter. Man kann auch ohne direkte Betroffenheit klare Positionen beziehen und diese begründen.

    Wo wir uns sicher noch einig sind: Als Grundsatz für den Umgang mit dem Wolf muss gelten, dass der Schutz der Betroffenen an erster Stelle stehen muss. Bei Tieren, die sich untypisch verhalten und eine tatsächliche Bedrohung für den Menschen darstellen, muss eine Entnahme aus der Natur durch speziell ausgebildetes Personal grundsätzlich möglich sein. Die Landesregierung sollte dafür verbindlich festlegen, wann das Verhalten eines Wolfes als artfremd gilt und ein Tier deshalb aus der freien Natur entnommen werden muss. Das wäre nicht nur für die Sicherheit des Menschen, sondern auch für die Akzeptanz des Wolfs innerhalb der Bevölkerung wichtig.

    Die betroffenen Nutztierhalter verdienen Unterstützung beim Schutz ihrer Herden vor Wolfsangriffen. Denn obwohl viele Betroffene alle verfügbaren Sicherungsvorkehrungen wie Flatterbänder oder entsprechende Zäune treffen, fallen dem Wolf immer wieder Tiere zum Opfer. Über 500 Nutztiere sind in Niedersachsen in den letzten Jahren Opfer der Wölfe geworden!

    Eine neue Dimension erreichte die Wolfproblematik im letzten Herbst: Im NSG Armstorf-Langenmoor (LK Cuxhaven) wurde ein ausgewachsenes und noch dazu hochtragendes Rind von einem oder mehreren Wölfen angegriffen und getötet. Ein Szenario, das Wolfsbefürworter bislang kategorisch ausgeschlossen haben. Auf Dauer wird sich der maximale Schutz des Wolfes nicht mit der für den Agrarstandort Niedersachsen existentiellen Weidetierhaltung vereinbaren lassen. Auch ohne Angriffe auf eigene Tiere geben manche Weidetierhalter auf. Die Angst, eines Tages am morgen zu seiner Weide zu kommen und ein schlimmes Bild vorzufinden, treibt manche Schäfer um. Das darf man nicht runterspielen. Und wer jetzt aufgibt, fängt wohl nicht in fünf Jahren wieder an. Das hat DAUERHAFT negative Folgen für unsere Kulturlandschaft.

    Die Förderung von Präventionsmaßnahmen wird allerdings nicht ausreichen. Die Weide, auf der das Tier im Kreis Cuxhaven angegriffen wurde, liegt im Kerngebiet der niedersächsischen Milchproduktion. In einem Umkreis von 50 Kilometern befinden sich rund 180.000 Hektar Grünland! Die Kosten für eine grundlegende Prävention würden bei mehr als 100 Millionen Euro liegen! Wahnsinn.

    Dauerhaft wird Niedersachsen nicht um wirksame Maßnahmen zur Bestandsregulierung umhin kommen. Das kann man heute blöd finden und kritisieren. Man kann deswegen auch aufhören CDU zu wählen. Aber am Ende, ob nun in zwei oder in fünf Jahren, wird es so kommen. Diese Vorhersage wage ich mal.

    In einem im Februar 2017 eingebrachten Sieben-Punkte-Plan fordert die CDU-Fraktion zudem eine Beweislastumkehr: Bisher müssen Landwirte DNA-Nachweise vorlegen, um einen finanziellen Entschädigungsanspruch geltend machen zu können. Die Auszahlung der Entschädigungszahlungen dauert bislang mehrere Monate. Das ist wirtschaftlich für manche Tierhalter natürlich nachteilig.

    Trotzdem danke für Ihre Mühe und Ihre Zeilen. Ich habe mich ja auch keineswegs dafür ausgesprochen, nun alle Wölfe in Niedersachsen zu erlegen. Ein differenzierter Blick ist richtig.

    Beste Grüße
    Adrian Mohr

  • Schwankl Hans

    Ich bin seit vielen Jahren CDU Wähler aber wenn ich diesen Bericht von Herrn Mohr lese, werde ich mir dies sehr gut überlegen.
    Dieser Bericht ist ein gutes Beispiel dafür wie man Ursache und Wirkung für den eigenen Nutzen umkehren kann. Ich kann zwar die tatsächlichen Gründe nicht nachvollziehen aber es sind vermutlich persönliche.
    Meist haben Befürworter der „Woflfsdezimierung" einen persönlichen oder familären Nutzen durch eine Dezimierung eben dieser ( zb Jägerei,Landwirtschaft,Politik..) oder aber sind nur unzureichend informiert.
    Ob und wie dies hier der Fall ist kann und möchte ich nicht beurteilen und steht mir auch nicht zu.
    Jedoch muss hier etwas richtig gestellt werden da die von Herrn Mohr genannte Argumente schlichtweg falsch sind.
    Es ist schlichtweg falsch zu behaupten, daß eine Dezimierung von sogenannten Prädatoren zu einer Vermehrung des Artenvielfalt führt.Ich denke dies weiss auch Herr Mohr selbst. In jedem abgeschlossene Ökosystem MUSS es Prädatoren geben und diese sichern die Artenvielfalt und keineswegs verkleinern sie diese. Dies ist natürlich ein Argument wie es von heimischen Jägern immer wieder angeführt wird und dennoch ist es falsch.Ich möchte Herrn Mohr auf keinem Fall unterstellen persönlichen Bezug zur Jägerei zu haben aber das Argument verwundert mich doch sehr. Wir Menschen haben in Deutschland viele Hundert Jahre lang alle Prädatoren ausgerottet und ich denke niemand möchte tatsächlich behaupten, daß dies zu einer Vermehrung der Artenvielrfalt führte. Desweiteren wird das Miteinander von Mensch und Wolf angesprochen.Welches Miteinander frage ich hier? .Als würde sich Wolf und Mensch täglich begegnen! Ich kenne lediglich einen einzigen Fall wo ein Mensch tatsächlich Angst vor einen Wolf hatte und KEINEN EINZIGEN Fall hier in Niedersachsen wo tatsächlich etwas geschehen ist. (Wobei ich Laie bin..)Desweiteren wird der Riss von Weidetieren angesprochen.Man könnte ja nicht ganz Niedersachsen einzäunen. Zu diesem Argument möchte ich folgendes anführen.Ich kenne kaum ein Bundesland wo soviele Zäune sind wie in Niedersachsen und es wird ja fast so dargestellt, als wäre der Wolf dafür verantwortlich, daß Weidetierhalter bankrott gehen. Auch hier wird nicht erwähnt, daß JEDER RISS finanziell entschädigt wird.
    Es werden lt einem TV Bericht Deutschlandweit sogar mehr Wolfsrisse gemeldet wie möglich sein können. Nochmals,ich bin kein Fachmann und dennoch, wenn jemand wortwörtlich behauptet aus TIERSCHUTZGRÜNDEN!! müsste die Wolfspopulation reduziert werden, dann ist dies (entschuldigen Sie) MEINER MEINUNG nach, geradezu lächerlich.
    Ich wohne nun seit weit über 10 Jahren hier in Niedersachen und bin wirklich stolz auf dieses Land was es in Sachen Tier und Naturschutz leistet. Gerade der Erfolg bei den Wölfen wo Niedersachsen führend ist. Dies hat einen guten Grund. Die Wölfe fühlen sich hier wohl. Seit lieber stolz darauf! Ich komme aus einem Bundesland weit südlich, indem die Jägerei sehr populär ist,auch in meiner eigenen Familie. Ich vertrete die Meinung, daß in der heutigen Zeit eine Tötung von Wildtieren, die rein aus Spaß an der Jägerei und Schießerei geschieht, nicht mehr Zeitgemäss ist. Eine Tötung aus Nahrungsgründen ist ohne Frage ok doch für die Unterhaltung sollte in der heutigen Zeit kein Tier mehr sterben müssen. Leider ist dies jedoch gerade in meinem Heimatland üblich. Wildschwein,Hirsch reicht leider oft nicht mehr aus, weshalb illegal Luchs,Wildkatzen und Wolf geschossen werden. Gerne würde man dies auch Gesetzeskonform machen und auch hier sind gerade die Jägerei große Anhänger der CSU. Wenn ich die Argumente von Herrn Mohr lese muss ich leider ehrlich sagen ,daß sie für mich persönlich ein Grund sind in Zukunft NICHT MEHR CDU zu wählen. In der „Wertedebatte" der CDU hiess es, man sollte auf altmodische Tugenden setzen. Dies hörte sich in meinen Ohren sehr gut an da ich „Tugenden" für etwas sehr possitives halte. Doch ich dachte nicht, daß altmodisch in der CDU auf diese Art definiert wird. Abschliessend möchte ich sagen,daß dies meine rein private Meinung ist und ich in keinster Weise Herrn Mohr´s Meinung für falsch beziffern möchte. Genau dafür ist ja so ein Bericht gut.Ich für mich weis jetzt wem ich wähle, -vor diesem Bericht war ich mir da noch unsicher.

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